Autarkie

Terra Preta – Das schwarze Gold

In meinem Permakultur-Beitrag erwähne ich die entscheidende Rolle des fruchtbaren Bodens. Terra Preta ist die Personifizierung dieses Begriffes.
Wie in dem Biomeiler-Beitrag bereits grob angedeutet, bleibt Dünger oder im Idealfall sogar Terra Preta bei der Verwendung eines solchen Biomeilers als einziges Abfallprodukt zurück. Aber auch ohne einen Biomeiler ist die Herstellung von Terra Preta möglich und gewinnbringend.

Herkunft

Auf natürliche Weise entstand Terra Preta bereits vor Millionen Jahren durch Waldbrände.
Der dabei entstandene Kohlenstoff wurde mit der Zeit von der nachwachsenden Vegetation bedeckt und stellte aufgrund seiner grobporigen Oberfläche im mikroskopischen Bereich einen besonders guten Zufluchtsort für zahlreiche Mikroorganismen dar.
In Mittel- und Südamerika ist dieses „schwarze Gold“ bereits vor einigen tausend Jahren in großem Ausmaß von Menschenhand erzeugt worden. Zufolge den Berichten der spanischen Eroberer, sollen bereits im 15. Jahrhundert Zivilisationen mitten im Urwald gelebt haben, die zahlenmäßig den größeren europäischen Städten dieser Epoche in Nichts nachstanden.
Auch die immer zahlreicher aufgefundenen altertümlichen Bauten mitten im Urwald, die erst dank der Technik der Neuzeit entdeckt wurden, deuten auf eine enorme Bevölkerungsdichte bereits vor Tausenden von Jahren vor unserer Zeit hin.
Dies ist nur durch einen Boden möglich, der genügend Fruchtbarkeit für die Produktion von Nahrungsmitteln in ausreichendem Ausmaß für eine so große Bevölkerung bereitstellt.
Mehrere tausend Jahre alte Tonscherben, die in der fruchtbaren Erde in rauen Mengen gefunden werden, beweisen den schon damals von Menschenhand hergestellten Dauerhumus.

Herstellung

Terra Preta besteht zu etwa 70% aus Pflanzenresten oder Hinterlassenschaften aus der Viehwirtschaft. Jede Art von Biomasse ist hierfür verwendbar. Diese wird dann mit etwa 20% Holzkohlepulver und 10% Wasser vermengt, um zu einem großen Haufen getürmt zu werden. Einige Experten schwören auf die Zugabe von Effektiven Mikroorganismen oder anderen Zusätzen.
Diese sind zwar biologisch und gewährleisten eine deutlich schnellere Umsetzung der Grundstoffe zu Terra Preta. Zwingend notwendig sind diese aber nicht. Man kann auch etwas mehr Zeit investieren, um der Natur ihren Lauf zu lassen. Bei entsprechenden klimatischen Bedingungen und unter der Zugabe von Zusätzen kann reines Terra Preta in wenigen Monaten hergestellt werden. Bei mitteleuropäischem Klima ohne Zusätze kann sich der Prozess über einige Jahre hinziehen.
Der am Ende dauerhaft fruchtbare Humus ist in beiden Fällen gleichwertig.

Verwendung

Terra Preta sollte nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt werden, da die Strahlung der Sonne das Bodenleben nahe der Oberfläche abtöten würde. Im Idealfall gräbt man ein Loch, füllt es mit Terra Preta und bedeckt es dann wieder mit der Erde aus dem Loch, nachdem man die Pflanze der Wahl eingesetzt hat oder bevor man das Saatgut ausbringt. So sind die Mikroorganismen die sich im Kohlenstoff ansiedeln vor Sonnenlicht und Frost besser geschützt. In wärmeren Regionen, in denen keine Frostgefahr besteht, eignet sich auch einfacher Mulch aus Pflanzenresten als Schutzschicht vor der Sonne.

Zusammen mit einem ausgewogenen Mischungsverhältnis an Pflanzenarten in einer Permakultur, ist es bei einer einmaligen Ausbringung von Terra Preta im Boden möglich, einer Pflanze für ihre gesamte Lebenszeit eine nahezu unendliche Nährstoffquelle zur Verfügung zu stellen. Der Kohlenstoff in dem sich die Mikroorganismen ständig vermehren können, ohne Gefahr zu laufen durch extreme Witterungsverhältnise komplett abzusterben, behält seine Eigenschaften auch noch in tausenden Jahren. Selbst wenn der Boden komplett einfriert, können im Kohlenstoff noch über einen mehrere Jahre andauernden Zeitraum genügend Mikroorganismen überleben die nach dem Frost aus dem Kohlenstoff heraus den Boden in kurzer Zeit wieder besiedeln.

Nutzen in der Permakultur

Da die Permakultur – wie der Name schon andeutet – darauf setzt eine permanente Bepflanzung des Bodens zu ermöglichen, ist Terra Preta hier das Mittel der Wahl. Abgesehen von Gründünger in Form von Pflanzenresten die auf dem Boden verrotten können, benötigt ein Boden der mit Terra Preta versehen ist nur Wasser. Alle anderen Nährstoffe erschließen die Mikroorganismen selbstständig in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Pflanzenarten die sich auch noch gegenseitig mit zusätzlichen Nährstoffen versorgen können. Eine dauerhafte Fruchtbarkeit des Bodens ist somit auf mehrere Arten gegeben, da auch die Pflanzen wieder ihren Teil zur Fruchtbarkeit beitragen anstatt den Boden wie in der heutigen Monokultur üblich auszulaugen und ihm sämtliche Nährstoffe zu entziehen, die dann mit chemischen Produkten von Monsanto und Co künstlich beigefügt werden müssen um überhaupt noch ein Wachstum zu gewährleisten. Von der Kostenersparnis durch das Weglassen von chemischen Wundermitteln der Agrarindustrie bis hin zum Schutz der Natur und des Menschen, sehe ich nur Vorteile bei der Verwendung von Terra Preta in der Landwirtschaft von Morgen.

Die Natur bietet einen schier unerschöpflichen Reichtum an Erfahrung. Wir müssen nur hinsehen, lernen und nachmachen. Wer sind wir, dass wir uns das Recht herausnehmen zu behaupten, dass der technologische Fortschritt der letzten hundert Jahre die Erfahrung ersetzen kann die sich die Natur in Millionen Jahren angeeignet hat. Keine noch so ausgeklügelte technologische oder chemische Neuerung auf dem Agrarmarkt kann sich mit der Natur messen. Besinnen wir uns auf eine gesündere und erfüllendere Art mit ihr umzugehen. Nur miteinander können Mensch und Natur auf diesem Planeten überdauern. Denn auch wenn die Natur ohne den Menschen einen Weg finden wird zu überdauern. Ein Überleben des Menschen ist ohne die Natur im besten Fall eine unutopische Vorstellung in den Köpfen einiger weniger Fantasten. In meinen Augen gleicht diese Vorstellung eher einer Dystopie.

Die Zukunft wird kommen… machen wir´s besser!

Eigentlich Südamerika im Blick, gehört er zu den Menschen die schon lange entschlossen sind das “gute Leben” durch Naturverbundenheit und Selbstbestimmung nicht länger vor sich her zuschieben. Ein Mann der Tat also, der zu den Pionieren des Projekts gehört und sich nicht nur sehr gut mit Permakultur auskennt.

2 Gedanken zu „Terra Preta – Das schwarze Gold

  1. Ich wohne im Süden Brasiliens und hier wird Terra Preta überall angesetzt, nicht nur um die Produktion von Nahrungsmitteln zu steigern, sondern auch für banale Zwecke, wie um Pflanzen gesünder und lebendiger zu machen, wenn es ihnen nicht so gut geht. Es freut mich, diesen Artikel zu lesen, ich wusste gar nicht, wie besonders Terra Preta eigentlich sein kann, zumal die Herkunft und die Exclusivität Südamerikas bis zum 16. Jahrhundert waren mir bisher unbekannt.

    1. Ich gehe davon aus, dass es auch schon von anderen Kulturen in der Vorzeit in dieser oder ähnlicher Form genutzt wurde… habe aber keinerlei Informationen darüber gefunden… die früheste Erwähnung in dem Zusammenhang stammen tatsächlich von den spanischen Eroberern… falls da jemand mehr Infos hat, immer her damit… ich lerne gern ;-P

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