Autarkie

Sind Ökodörfer eine Bedrohung?

Menschen die immer wieder vom Staat bzw. der herrschenden Politik enttäuscht wurden, sich über Willkür und in ihren Augen ungerechtfertigte Regelungen aufregen, fragen sich oft, ob nicht auch der Versuch aus dem System auszusteigen zum Scheitern verurteilt ist. Ob nicht früher oder später die Politik vielleicht sogar auf EU-Ebene einlenkt und verhindert, dass sich Menschen derart unabhängig machen, schließlich geht Autarkie (Selbstgenügsamkeit) potenziell auch mit einem gewissen Maß an Autonomie (Selbstverwaltung) einher.

 

Gesamtgesellschaftlicher Wandel

Menschen die sich in solchen Projekte organisieren zahlen weniger Steuern und auch weniger in die Sozialversicherungskassen ein. Es besteht zudem “die Gefahr” dass dort aufwachsenden Kindern andere Werte und Fähigkeiten vermittelt werden, als dies in der konventionellen Schulbildung der Fall ist. Das hat womöglich den größten Effekt auf nachfolgende Generationen und einen irgendwann mal absehbaren gesamtgesellschaftlichen Wandel. Ein Wandel der beinhaltet dass die Menschen die in solchen Projekten leben den Status Quo, Ressourcenkriege und die derzeitige Macht- sowie Geldverteilung nicht mehr mittragen.

Diese Menschen üben einen potenziell lebenslangen, also dauerhaften und noch dazu sehr umfangreichen Boykott. Sie boykottieren das Wirtschaftssystem und verlangsamen mit der Reduktion ihrer Konsumausgaben auch die Umverteilung von Arm nach Reich. Sie sind oft Nichtwähler und entziehen damit der repräsentativen Demokratie schrittweise die Legitimation. Menschen die den Systemausstieg wagen und sich solchen Projekten anschließen, hören vor allem damit auf sich gegen andere politische Lager aufhetzen zu lassen und Druck auf ihr Umfeld auszuüben. Oft geht dem die Erkenntnis voran, dass durch das Wählen einer der vielen oppositionellen Splitterparteien niemals die größte homogene Wählerschaft überstimmt werden kann, welche sich ausschließlich über die Mainstream-Medien informiert. Oder dass sich kein Wertewandel bewirken lässt solange man selbst diesen noch nicht lebt oder seinen Kindern vermittelt. Auch die Erkenntnis dass der empfundene Gegner im Zeitalter der Digitalisierung derart übermächtig geworden ist, dass eine direkte Konfrontation mithilfe einer Unterschriftenaktion oder einer Straßendemo geradezu lächerlich scheint, ist in vielen Fällen eingetreten. Stattdessen praktizieren diese Menschen den Wandel, den sie in der Welt sehen wollen. Es handelt sich also gewissermaßen um ein Friedensangebot an die Eliten dieser Welt und zugleich um eine Kampfansage an die derzeit herrschenden Zustände.

Werden solche Modelle populärer besteht sogar langfristig die Gefahr, dass der Einfluss von staatlichen Institutionen sinkt. Jedes Konstrukt, egal ob Staat, Konzern oder Umweltschutzorganisation ist aber aus logischen Gründen ab einer gewissen Größe und auch damit einhergehendem finanziellen Umfang, vorrangig am Selbsterhalt interessiert. Kein Politiker innerhalb der repräsentativen Demokratie würde je auf die Idee kommen zum Nichtwählen aufzurufen, Banken werden niemals für ihre Abschaffung plädieren und ein Konzern der ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen möchte wird keine Werbung schalten, die dazu aufruft nicht mehr zu konsumieren und sich stattdessen auf die wesentlichen Aspekte des eigenen Lebens zu konzentrieren.

 

Die Angriffsfläche

Also was tun wenn einem Protagonisten innerhalb des heutigen marktwirtschaftlichen und politischen Gefüges die Ökodorf-Bewegung missfällt? Es gilt die potenzielle Angriffsfläche zu betrachten, die solch ein Projekt liefert. Es handelt sich erstmal nur um Menschen die sich zusammen schließen um solidarische Landwirtschaft zu praktizieren, ihren ökologischen Fußabdruck drastisch zu reduzieren, die sie umgebende Natur zu erhalten, tendenziell deutlich weniger zu konsumieren, erneuerbare Energien einzusetzen und mit alternativen Bauweisen zu experimentieren. Weder politischer Aktivismus noch das Vorgehen gegen irgendein politisches Lager oder eine Menschengruppe spielt hierbei eine Rolle. Im Gegenteil, alternative Lebensweisen sind lagerübergreifend kompatibel und bedürfen lediglich einem fundamentalen Wertekonsens der ein lebenswertes Leben für alle Beteiligten verspricht. Dies ist ein Wandel der Lebensweise der allen zu Gute kommt, egal wo in der heutigen pyramidalen Machtstruktur sich ein Mensch befindet.

Der durchschnittliche Bewohner der heutigen Industrienationen verbraucht Unmengen an Ressourcen und soll ganze 2.000 m² Fläche für sich beanspruchen. Innerhalb eines autarken Projekts sind es schnell nur noch wenige hundert m². Es handelt sich also um eine der wenigen Lösungen welche auch von vielen der Herrschenden dieser Welt anerkannt werden könnte um die größten ökologischen Probleme zu lösen. Neben politischen Maßnahmen die das Bevölkerungswachstum bremsen, wie zum Beispiel die durch wirtschaftlichen Druck und sich wandelnden Werten, schrumpfenden Familiengrößen.

Im größeren Kontext geht es also um Bevölkerungsdichte und den Ressourcenverbrauch. Immer wieder wird in der Öffentlichkeit die zu große Anzahl an Menschen auf dem Planeten thematisiert. Berühmt ist Prinz Charles Zitat er wolle als Virus wiedergeboren werden der einen Großteil der Menschen auslöscht, aber auch bedeutende Persönlichkeiten aus der us-amerikanischen Politik haben immer wieder Überbevölkerung als eigentliche Ursache für sich anbahnenden ökologischen Katastrophen genannt. Ironischerweise handelt es sich bei diesen Beispielen um Menschen die selbst teilweise ein tausendfaches der Ressourcen und ein hunderttausendfaches der Fläche für sich beanspruchen, welche 99% der Weltbevölkerung zur Verfügung stehen.

 

Kontrollverlust des herrschenden Systems

Auch wenn es eigentlich gesamtgesellschaftlich betrachtet nur erwünscht sein kann, wenn Menschen beginnen sich dezentralisiert zu versorgen und schonender mit Ressourcen sowie Umwelt umgehen, ist da immer noch der damit einhergehende Kontrollverlust der Herrschenden und das Infrage stellen des Status Quos. Man hört zwar auf innerhalb des Systems gegen das Establishment zu schimpfen und nimmt auch ein Stück weit den Druck der sich innerhalb des Systems bildet heraus, in dem man sich selbst daraus verabschiedet und auch Gleichgesinnte dazu ermutigt, dies kann aber dennoch als langfristige Entwicklung als Bedrohung für das herrschende System angesehen werden.

Glücklicherweise sind wir noch weit davon entfernt Ökodörfer zu verbieten und die Anzahl der Menschen die sich ernsthaft für den Systemausstieg interessieren, dürfte auch noch viel zu gering sein um echten Widerstand zu provozieren. Zudem reicht es bei einer pyramidalen Machtstruktur auch nicht wenn die oberen Etagen das Gefühl des Kontrollverlusts haben, sondern es gilt auch die darunter liegenden Ebenen davon zu überzeugen, dass es wichtig sei gegen etwas derartiges vorzugehen und zwar aus ganz anderen Gründen.

 

Die Rolle der Medien

Hier kommen die Medien ins Spiel. Eine Diffamierung durch selbige ist absehbar. Vor allem in Form von Verurteilung alternativer Lebensweisen, dahingehend sie seien nicht kindgerecht oder würden einen technologischen Rückschritt darstellen, also eine irrationale Abkehr von den Errungenschaften der Moderne sein.

Dieses durch die Medien geschaffene Bild, wirkt jedoch nur auf jene Menschen die im System verbleiben, die Medien konsumieren und sich kein eigenes Bild von solchen Projekten machen. Zudem werden auch nicht alle Medien auf den Zug aufspringen, die wachsende alternative Medienwelt beispielsweise wird solche Projekte positiv darstellen und bewerben, als echte und vielleicht sogar einzige Form des Aktivismus. Eine Form des politischen Aktivismus, welcher durch das individuelle Streben nach Lebensqualität angetrieben wird und den bestehenden materialistischen Wertekonsens zur Diskussion stellt.

Ich beschäftige ich mich schon seit vielen Jahren mit Autarkie und Selbstversorgung im Allgemeinen. Neben der Steigerung der eigenen Lebensqualität, halte ich es auch für die letzte Form des politischen Aktivismus um dazu beizutragen einen längst überfälligen, gesamtgesellschaftlichen Wandel anzustoßen.

2 Gedanken zu „Sind Ökodörfer eine Bedrohung?

  1. … sollte dieses diktatorische Herrschaftssystem
    über viele Jahre noch weiter fortschreiten können,
    so wird es in der Tat eines Tages so sein,
    dass es gegen unkontrollierte Ökodörfer und Menschen
    die sich keinen Chip implantieren lassen wollen,
    gnadenlos vorgehen wird … denn sie wollen die totale Kontrolle …
    wer sich weigert wird dann verschleppt
    in schon jetzt vorbereitete (Vernichtungs-)Lager …

    … jeder der jetzt noch wählen geht,
    egal welche Partei,
    unterstützt dieses Unrechtssystem …

    … das ist meine Sicht der Dinge …

  2. … schön geschrieben …
    … das Wort “Planet” ist allerdings meiner Ansicht nach fehl am Platze, denn wir leben auf einer flachen Erde …
    … durch diese Erkenntnis verändert sich noch einmal der “Aktivismus”,
    denn dann müssen wir uns überlegen, warum uns diese Wahrheit
    vorenthalten wird und welche Konsequenzen sich daraus ergeben …

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