Autarkie

Autarke Bildung & Schule

Kinder lernen

Die Ausbildung des eigenen Nachwuchses bestimmen oder beeinflussen zu können ist einer der Aspekte einer autarken bzw. alternativen Lebensweisen. Die Qualität der Bildung ist heute meist eine Frage der finanziellen Mittel, wer über genügend Geld verfügt kann seine Kinder in private Schulen schicken in denen sie möglicherweise nach ihren individuellen Stärken gefördert werden und eine Reihe an Bildungsaktivitäten nachgehen können die das Lernen vereinfachen und spaßiger machen. Dennoch sind auch diese Schulen in der Regel darauf ausgelegt Qualitäten zu fördern die in erster Linie in Hinblick auf marktwirtschaftlichen Erfolg relevant sind und vernachlässigen andere Bereiche. Bildung sollte ein ganzheitliches Konzept sein und dafür sorgen welches einen jungen Menschen mit allem ausstattet was ihm später dabei behilflich sein kann sich selbst zu entfalten und zu verwirklichen.

Das Schulsystem

Das heutige Standardverfahren lautet junge Menschen unter Androhung von negativen Konsequenzen und dem frühen schüren von Existenzängsten den Zwang zum Lernen aufzuerlegen. Die These ist, dass ein junger Mensch unvollkommen und fehlerhaft sei und durch viel Arbeit, Mühe und zur Not auch Gewalt zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaftgeschliffenwerden muss. Heute setzt man zwar nicht mehr auf körperliche Gewalt, aber dafür sind Methoden die darauf abzielen Ängste zu fördern oder auf Bloßstellung abzielen immer noch die Regel im Repertoire von Lehrkräften. Einen Schüler an der Tafel eine Aufgabe vorrechnen zu lassen, wohl wissend, dass dieser sie nicht lösen kann, dient dazu ihn einer peinlichen Situation auszusetzen und damit Druck aufzubauen. Das gleiche gilt für die immer wiederkehrende Androhung er verschenke seine Chancen und sein Potenzial, wenn er nicht Leistungsbereitschaft entwickelt. Diese Leistungsbereitschaft soll sich darin äußern, sich den Autoritäten im schulischen Umfeld unterzuordnen, die Art und Weise der Lernmethodik nicht zu hinterfragen und die Qualität bzw. Relevanz der Inhalte nicht selbst zu bewerten. Obwohl gerade letzteres eine der wichtigsten Fähigkeiten darstellt um die eigene Entwicklung, auch später voranzutreiben. Es wird die über allem schwebende Gefahr suggeriert, dass man es später mal zu nichts bringen würde oder unangenehme, schlecht bezahlte Berufe ausüben muss, wenn man gegenüber dem Konformitätszwang nicht kapituliert. Auch wenn diese Perspektive nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, sieht die Wahrheit dennoch anders aus. In einer kapitalistischen marktwirtschaftlichen Gesellschaft kann man natürlich durch jahrzehntelange Ausbildung und einer hohen Qualifikation ein entsprechend hohes Einkommen erzielen, dies bedeutet aber weder, dass die eigene Erwerbstätigkeit erfüllend und gesundheitsfördernd ist, noch dass man einem Lebensstil führt, der dazu geeignet istglücklichzu werden. Viel wichtiger ist es auf dem Weg ins Erwachsenenalter herauszufinden wo die eigenen Stärken und Interessen liegen. Das Selbstbewusstsein und die Fähigkeiten zu entwickeln seine Talente anzuwenden und ein Maximum an Lebensqualität zu fabrizieren. Dies sollte auch aus Sicht der Eltern eigentlich mehr im Vordergrund stehen, als alle Anstrengung darauf auszurichten, aus dem eigenen Nachwuchs einen möglichst gut verdienenden und vorbildlichen Mitarbeiter zu machen. Tatsächlich ist im Zeitalter voranschreitender Automatisierung und Digitalisierung fraglich wie lange es überhaupt noch einen Bedarf für rein funktionale Tätigkeiten in der Marktwirtschaft geben wird und ob es nicht sogar menschenverachtend ist, bisher von Menschen ausgeführte Tätigkeiten, nur für den Arbeitsplatzerhalt weiterhin von Menschen ausführen zu lassen, obwohl dies längst eine Maschine übernehmen könnte oder noch schlimmer Tätigkeiten nur zum Zweck der Beschäftigung künstlich zu schaffen. Ein Überdenken des klassischen Arbeitsbegriffs ist gesamtgesellschaftlich gesehen längst überfällig.

Alternative Bildungsziele

Also eine Bildungslaufbahn sollte davon bestimmt sein, Fähigkeiten und Wissen zu vermitteln die es ermöglichen seine Qualitäten in die Marktwirtschaft auf sinnvolle Weise einzubringen, Unternehmen zu gründen, sich in Kunst und Kultur zu betätigen, soziale Fähigkeiten zu vermitteln und vor allem andere die eigene Unabhängigkeit zu stärken um ein selbstständig denkender und handelnder Mensch zu werden der Verantwortung für sich selbst und seine Umwelt übernimmt. Physische wie auch psychische Gesundheit sollte nicht völlig unter den Tisch fallen gelassen werden, auch aus ökonomischen Gründen. Explodierende Gesundheitskosten und damit einhergehender Verbrauch von Ressourcen wie Medikamenten und Dienstleistungen müssen wir alle mittragen. Eine umfangreiche Vermittlung von Wissen zur Vorbeugung von Erkrankungen aller Art ist also marktwirtschaftlich eines der wichtigsten Wissensgebiete. Die richtige Ernährung, gesunde Körperhaltung, Stress-Management, Persönlichkeitsentwicklung oder gesunder Schlaf bei den jungen Menschen zu fördern, sind Aspekte von denen letztendlich die gesamte Gesellschaft profitiert. Lediglich Arbeitsplätze und Umsätze in der medizinisch-pharmazeutischen Industrie sind hiervon negativ betroffen. Leider gibt es für die Bildung junger Menschen kaum relevante, geschweige denn kapitalstarke Lobbys, im Gegensatz zu den genannten Industrien.

Alternative Schulkonzepte

Auf Grund des desolaten und völlig veralteten konventionellen Schulsystems haben sich eine Vielzahl von alternativen Schulformen gebildet. Diese unterscheiden sich stark voneinander aber haben in der Regel gemeinsam, vermehrt auf Freiwilligkeit beim Lernen zu setzen, während konventionelle Schulen auf Zwang, Druck und Einschüchterung zurückgreifen, um Kinder zum lernen zu motivieren.

Heimunterricht

Leider ist die Rechtslage im deutschsprachigen Raum und besonders Deutschland in Bezug auf Heimunterricht sehr restriktiv. Viele Eltern weichen zum Beispiel auf Frankreich aus wo es möglich ist die eigenen Kinder selbst auszubilden. Versuche gegen die Schulpflicht zu klagen wurden bereits mehrmals von unterschiedlichen Gerichten in mehreren Instanzen abgelehnt. Als Begründung wird die Gefahr angeführt es könnte zur Entstehung von Parallelgesellschaften beitragen und religiöse Indoktrination fördern.

In Ländern wie Frankreich oder den USA besteht die freie Wahl der Eltern bzgl. der Ausbildung der eigenen Kinder. Deutschland ist eines der Länder, in dem die Schulpflicht mit am wenigsten infrage gestellt zu werden scheint.

Montesorri

Maria Montessori entwickelte ab 1907 die sogenannte Montessoripädagogik. Dabei handelt es sich um ein pädagogisches Bildungskonzept, das die Zeitspanne vom Kleinkind bis zum jungen Erwachsenen abdeckt. Das Kind gilt dabei als „Baumeister seines Selbst“ und Montessori setzt zum ersten Mal auf offene Unterrichtsformen und Freiarbeit. Die Beobachtung des Kindes durch den Lehrenden soll dazu führen, geeignete Lern-Techniken anzuwenden um den Lernprozess zu optimieren.

Montessori Pädagogik möchte nicht mit traditionellen Standards verglichen werden, stattdessen gilt eine Philosophie bei der das Kind und seine Individualität im Mittelpunkt steht. Kinder sollen frei lernen, ohne Behinderung und Kritik. Montessori war der Auffassung, dass sowohl Belohnungen als auch Strafen schädlich sind für die innere Einstellung des Menschen und dass Kinder ganz natürlich aus ihrer eigenen Motivation heraus lernen wollen. Daher konzentriert sich die Montessorimethode auf die Bedürfnisse, Talente und Begabungen jedes Kindes. Kinder sollen das Tempo, das Thema und die Wiederholung von Lektionen selbst bestimmen. Das wichtigste Gut ist dabei die Freude am Lernen, welches als Kernbestandteil des Wesens eines jeden Kindes angesehen wird. In der Folge soll das Kind Selbstvertrauen und Selbstständigkeit erlangen.

Waldorf-Schulen

Bei Waldorfschulen oder auch Rudolf-Steiner-Schulen handelt es sich um Schulen, an denen nach der von Rudolf Steiner (1861-1925) begründeten Waldorfpädagogik unterrichtet wird. In Deutschland sind Waldorfschulen staatlich anerkannt und in freier Trägerschaft. Es gibt heute 1149 Waldorfschulen auf der ganzen Welt, davon 779 in Europa und 242 in Deutschland (Stand 2018).

Die Schulen sind autonome Organisationen, welche durch Eltern und Lehrer gemeinsam selbstverwaltet werden. Pädagogische und organisatorische Entscheidungen werden in einer wöchentlichen Lehrerkonferenz getroffen. Es gibt außerdem Gruppen die einzelnen Arbeitsfelder übernehmen (Baukreis, Finanzkreis, Festkreis usw.). Schulträger ist meist ein Verein in dem Eltern und Lehrer Mitglied sein können.

Im Mittelpunkt steht bei Waldorfschulen die ganzheitliche Erziehung, weshalb weitgehend Leistungsdifferenzierung vermeidet wird wie sie an konventionellen Schulen mit permanenter Notengebung praktiziert wird. Die individuelle Förderung erfolgt durch einen ganzheitlichen Ansatz, erst in der Oberstufe gibt es eine Differenzierung in verschiedene Leistungsklassen.

Privatschulen

Es gibt einen klaren Trend hin zu den privaten Schulen. Die Anzahl dieser Bildungseinrichtungen hat sich in den letzten von 1998 bis 2018 vervierfacht. Immer mehr Eltern sind bereit auch dafür zu zahlen den eigenen Kindern bessere Bildungschancen zu ermöglichen. Das Vertrauen in staatliche Schulen wird immer geringer. Auch der Staat profitiert von dieser Entwicklung, da er statt 100 % im Durchschnitt nur 69 % der Finanzierung von privaten Schulen übernimmt. Oft ist das zu zahlende Schuldgeld an das Gehalt der Eltern geknüpft, weshalb private Schulen vor allem Kinder aus besserverdienenden Familien aufnehmen möchten.

Schule des Lebens (Freie Schulen)

Aus einer Kooperation zwischen dem Filmemacher Christoph Schuhmann ("Schools of Trust") und der "freien aktiven Landschule Hendungen" entstand die "Schule des Lebens". Die im idyllischen Dorf Hendungen gelegene Schule ist umgeben von Natur und befindet sich am Dreiländereck (Bayern, Thüringen, Hessen). Die Schule nimmt Kinder ab 6 Jahren auf, verfügt unter anderem über ein Schulgebäude mit großem Garten und ein Waldstück mit Feuerstelle.

Neue Schulen

Eine selbstversorgende, nach Autarkie strebende Siedlungsgemeinschaft könnte eine eigene Schule ins Leben rufen in der die Kinder nach ihren Talenten gefördert und in Fächern unterrichtet werden die ein Maximum an Selbstermächtigung und spätere finanzielle bzw. materielle Freiheit zum Ziel haben könnten.

Ich beschäftige ich mich schon seit vielen Jahren mit Autarkie und Selbstversorgung im Allgemeinen. Neben der Steigerung der eigenen Lebensqualität, halte ich es auch für die letzte Form des politischen Aktivismus um dazu beizutragen einen längst überfälligen, gesamtgesellschaftlichen Wandel anzustoßen.

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